SGMOIK/SSMOCI
(Schweizerische Gesellschaft Mittlerer Osten und Islamische Kulturen/
Société Suisse Moyen Orient et Civilisation Islamique) and
Basel University, Department of Islamic Studies, Europainstitut and
Department of History
The conference aims to explore the historical impact, gains
and impasses of Turkish nationalism in the 20th century and the
conditions for and evolutions towards «post-nationalism»,
i.e. a political situation in which the development of an open,
multicultural society is possible. This question is particularly
relevant in view of the discussions about Turkey's joining the EU, a
subject on which there will be a panel. The conference languages are
German, French and English.
Ziel der Tagung ist die gemeinsame
Reflexion
über die Ausprägung des türkischen Nationalismus im 20.
Jahrhundert
sowie über die Voraussetzungen und Entwicklungen hin zur
Emanzipation
von beharrlichen nationalistischen Mustern, die die Entwicklung einer
offenen, multikulturellen Gesellschaft bisher behinderten. Diese
Fragestellung ist auch aktuell im Hinblick auf die Debatte um einen
EU-Beitritt, von der
ein Panel handeln wird. Tagungssprachen sind
Deutsch,
Französisch und Englisch.
Seit wenigen Jahren zeichnet sich in der Türkei ein
friedlicher innerer Umbruch ab, der sich durch Schlagworte wie
zivilgesellschaftlichen Aufbau und (teilweisen) Abschied von
nationalistischen Mythen charakterisieren lässt. Ende 2004 wird
sich entscheiden, ob die EU-Kandidatin am Bosporus einen konkreten
Termin für Beitrittgespräche erhält. Das islamische Land
an der Schwelle Europas ist für manche Westeuropäer zu einer
bedrängenden «weltgeschichtlichen Frage» (Heinrich
August Winkler) geworden. Doch ohne vertiefte Kenntnisse lassen sich
keine Antworten auf diese und weitere Fragen nach der
gegenwärtigen Entwicklung in der Türkei finden.
Die Schweizerische Gesellschaft Mittlerer Osten und Islamische Kulturen
(SGMOIK) organisiert auf Mitte Oktober 2004 in Basel eine Tagung
über die Türkei im 20. Jahrhundert. An dieser Tagung soll
eine kritische historische Reflexion über die Rolle des
türkischen Nationalismus verknüpft werden mit
Gegenwartsfragen (siehe Themen).
Mitgetragen wird die Veranstaltung von dem Orientalischen Seminar, dem
Historischen Seminar sowie dem Europainstitut der Universität
Basel. Verantwortlich für die Organisation sind Hans-Lukas Kieser
und Monika Winet.
Die Tagung beginnt mit einem öffentlichen Vortrag am
Donnerstagabend, 14. Oktober. Am Freitagabend, 15. Oktober, wird eine
öffentliche
Podiumsdiskussion über die Türkei und die Grenzen Europas
stattfinden.
Auch die übrigen Panels am Freitag und am Samstagmorgen stehen
allen
Interessierten offen.
Führende internationale Türkeiwissenschaftlerinnen und
-wissenschafter haben ihre Beteiligung zugesagt (siehe Programm).
Das Spektrum der geplanten Beiträge reicht von der Aufarbeitung
von Vertreibung und Völkermord, Rassismus und Autoritarismus, bis
hin
zur aktuellen Lage von Minderheiten und zu post-nationalistischen
Ansätzen in Geschichtsschreibung und Biografie.
Die Beschäftigung mit diesen Fragen ist auch für die
Schweiz von Bedeutung, wo mehr als hunderttausend Menschen aus der
Türkei leben - die grösste muslimische Gruppe hierzulande. In
einer akademischen Landschaft, die sich das Fehlen einer etablierten
Türkeiwissenschaft erlaubt, soll die Tagung zur Sensibilisierung
für aktuelle Türkeithemen und deren Hintergründe
beitragen.
HLK 20.9.04