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Stand: 12.10.2006

 

 

 

 

 

 

 

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Hans-Lukas Kieser

Seminar "Vom osmanischen zum amerikanischen Irak (1908-2007)"

Semesterprogramm / Ausführliche Bibliographie / Startseite von Hans-Lukas Kieser

Seminar für Zeitgeschichte der Universität Fribourg (Wintersemester 2006/07)
Do 17-19, Hörsaal 2120
Beginn: Do 26.10.2006

Vorschau

Unser Seminar erforscht den Wandel vom osmanischen zum amerikanischen Irak. Beziehungsgeschichte, Ideologiegeschichte und politische Anthropologie bestimmen unsere Perspektive.

Die Provinzen Mosul, Bagdad und Basra waren jahrhundertelang Teil einer sunnitisch dominierten osmanischen Welt, die 1908 die jungtürkische Revolution und wenig später die Machtübernahme durch eine konspirative "patriotische" Partei, das jungtürkische Comité Union et Progrès (CUP), erlebte. Das CUP-Regime führte das Osmanische Reich in den Weltkrieg und verlor den Irak an Grossbritannien, die spätere Mandatsmacht. Elemente der "politischen Kultur" des CUP prägten jedoch auch nach Erlangung der Unabhängigkeit als Königreich (1932) und nach der Etablierung der Republik (1958) bis hin zur Diktatur Saddam Husseins den Irak. Geschaffen durch die Siegermächte des Ersten Weltkriegs tat sich der neue Staat schwer, sich als egalitäre "Nation" aufzubauen; zu gering war der "politische Kredit", zu gegenläufig eingespielte "primäre Loyalitäten" religiöser und tribaler Art.  Sunniten und Schiiten, beide arabisch, sowie Kurden sind die drei ethnoreligiösen Hauptgruppen des Irak.

Öl, Geostrategie (inkl. Kontrolle über Mittel der Massenvernichtung), Heilsgeschichte und ein durch irakische Exilgruppen beeinflusstes Kalkül waren die Faktoren hinter der US-Invasion von 2003. Die USA sind ihren Anspruch schuldig geblieben, den "Schurkenstaat" Irak einem friedlichen nation building zuzuführen. Im späten Osmanischen Reich hatten für die protestantische Mission - die damalige amerikanische Haupakteurin vor Ort - die "Bibellande" Palästina und Kleinasien als Stätten prophetischer Verheissung, inkl. Restoration of the Jews, zentrale Bedeutung besessen. Der Irak begann erst im späten 20. Jahrhundert als "babylonischer" Widersacher des 1948 gegründeten Israels die heilsgeschichtlich-apokalyptische Phantasie der Christian Right zu beflügeln. Diese ist seit US-Präsident Reagan das wichtigste Wählersegment von Neokonservatives, die noch in den 80er Jahren den antiiranischen Saddam gehätschelt und zum Massenmord (Anfal) an den Kurden geschwiegen hatten. Seit den 90er Jahren streben sie eine riskante Neuordnung des Nahen Ostens mit militärischen Mitteln an.

Die Teilnahme an diesem Seminar setzt ein überdurchschnittliches Engagement für vorbereitende Lektüren und zeitliche Disponibilität voraus.

Lektürehinweise: H. Fürtig, Kleine Geschichte des Irak, München 2003.


Zur ausführlichen Bibliografie

 


Semesterprogramm

Datum

Inhalt

Lektüren

Materialien


26.10.2006

Einführung

Merkblatt

1

02.11.2006

Der osmanische Irak

Tripp 2002: 2-29.


2

09.11.2006

Irak im 1. Weltkrieg und die postosmanische Neuordnung.

Tripp 2002: 30-58.


3

16.11.2006

Britisches Mandat; ethnoreligiöse Gruppen; amerikanische Interessen.

Nakash 1994; Stivers 1982: 108-137.


4

23.11.2006

Vom Königreich zur Republik (1932-58). "Failed Nation"?

Fürtig  2003: 28-57.


5

30.11.2006
17-20 Uhr

"Forget Baghdad" (Film 2003). Irakische Juden, Kommunisten und das junge Israel: Beziehungen, Feindbilder, Ideologien, Traumata.

Fürtig  2003: 58-98; forgetbaghdad.


6

07.12.2006

Die Auseinandersetzung mit den Kurden in den 60er und 70er Jahren.

McDowall 1996: 323-342.


7

14.12.2006

Der iranisch-irakische Krieg und die Anfal-Kampagne.

McDowall 1996: 343-367.


8

21.12.2006

Saddam Husseins politische Biografie: Aufstieg, Herrschaftssystem, Ideologie.

Fürtig  2003: 100-119 und 138-45.


9

Weihnachtsferien





11.01.2007

"Bad Guy" Saddam, Kuwait 1990/91 und die Koalition unter Bush senior.

Fürtig  2003: 119-138.


10

18.01.2007

Die US-Invasion von 2003.

Habermas 2003; Fürtig  2003: 146-152; Neo Culpa.


11

25.01.2007
17-20 Uhr

Konflikte, Feindbilder und Religion im türkischen Erfolgsfilm  "Tal der Wölfe - Irak" (2006).

Pressestimmen.


12

01.02.2007

Bilanz


13


Bibliografie


 

 

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