|
Semesterprogramm / Ausführliche Bibliographie
/ Startseite von Hans-Lukas Kieser
Historisches Seminar der Universität
Zürich
KO2-F-174
Vorlesungsnummer: 1869
Mittwoch, 14 Uhr.
Beginn: 17. September 2008.
Anrechenbarkeit: 1, 4, 7, 8, 9
Vorbesprechung, mit Verteilung der Seminararbeiten: Freitag, 30. Mai
2008, 13.15 Uhr,
Raum KO2 F 155.
Anmeldung: hlk@access.uzh.ch oder spätestens bei der
Vorbesprechung
Die letzten Jahre der Belle Epoque waren in der
"Alten Welt" (Europa und Osmanisches Reich) eine Zeit hoher
Mobilität und vielfältiger Interaktion, aber auch der Tanz
auf einem Vulkan; Umbrüche wurden erwartet oder
verdrängt, aber nicht gemeinsam gestaltet. In diesem Seminar
beschäftigen wir uns mit der
osmanischen Welt und spannen den Bogen vom Vorabend der
Jungtürkischen Revolution von 1908 bis zum Ersten Weltkrieg.
Biografien "grosser" und "kleiner" Leute dienen uns als Zugang zu
diesem
osmanischen Schlussabschnitt der Belle Epoque.
Durch die
Revolution nahmen Mitglieder des jungtürkischen Comité
Union et Progrès (CUP) in Saloniki - junge Kader aus Armee und
Verwaltung - Einfluss auf die Reichsregierung. Im Juli 1908
setzten sie die Wiedereinsetzung von Verfassung und Parlament durch,
wonach ein "Völkerfrühling" viele Menschen im
osmanischen
Balkan und Nahen Osten erfasste; Presse, Kulturleben und Vereine
(türkische, kurdische, armenische, albanische, arabische etc.)
blühten auf. Doch bedrohten alsbald Krisen und territoriale
Verluste, am traumatischsten in Mazedonien, den Aufbruch. Das CUP stand
seit 1907 im Bündnis mit der Armenischen Revolutionären
Föderation; im Sommer 1912 zerbrach das Bündnis. 1913,
während der Balkankriege, etablierte das CUP seine
Alleinherrschaft über das Reich und anfangs August 1914 optierte
es für die Teilnahme am
Weltkrieg. Aus diesem resultierte die Zerstörung der osmanischen
Welt.
Ein Tutorat ergänzt die Veranstaltung.
Lektürehinweis: M. Hanioğlu: A brief history
of the late Ottoman Empire, Princeton 2008, Kap. 5 und 6.
Zur
ausführlichen Bibliographie
|
Datum
|
Inhalt
|
Lektüren (in Klammern: fakultativ)
|
Paperpräsentationen
|
|
|
17.09.2008
dreistündig
|
Einleitung und Überblick.
Das Sultanat Abdulhamids II. und dessen Opposition im In-
und Ausland.
|
Hanioglu 2008, Kap. 5; Bozarslan 2004: 6-18 (Georgeon 2003: 443-9).
|
Paper über Sultan Abdulhamid.
|
1
|
|
24.09.2008
dreistündig
|
Vielvölkerfrühling? Die
Jungtürkische Revolution vom 23. Juli 1908.
|
Hanioglu 2008, Kap. 6; Rakovsky
1908 (e,
f);
Kreiser 2008: 21-24.
|
1. Saloniki: Metropole und Ort politischer
Mobilisierung,
insbesondere der Jungtürken.
2. Die Jungtürkische Revolution, ihre "Helden" und ihre Rezeption
in der internationalen Presse.
|
2
|
|
01.10.2008
|
keine
Sitzung.
|
|
|
3
|
|
08.10.2008
|
keine
Sitzung.
|
|
|
4
|
|
15.10. 2008
dreistündig
|
Politisches, gesellschaftliches und
intellektuelles Leben: osmanisches Parlament; Parteien; Presse;
Frauenbewegung.
|
Kreiser 2003: 355-64; Mansurizade
2002
(1914); Paper Kaligian.
|
1. Spätosmanische Ideengeschichte:
Ahmed Rıza; Abdullah Cevdet; Celal Nuri.
2. Das
Bündnis von Comité Union et Progrès und Armenian
Revolutionary Federation.
|
5
|
|
22.10.2008
dreistündig
|
Spätosmanische Schauplätze:
Istanbul, Saloniki, Izmir, Aleppo,
Bagdad etc.
|
Georgelin
2005: 170-83; Anastassiadou 1997, S. 421-434.
|
1. Izmir,
eine kosmopolitische Stadt.
2. Urfa in Südostanatolien.
3. Van und/oder Mamuretülaziz in Ostanatolien.
|
6
|
|
29.10.2008
dreistündig
|
Die spätosmanische arabische Welt.
|
Kayali 1997:
52-80; Khalidi 1997: 76-88.
|
1. Ein Glücksfall? Der autonome Sanjak
Libanon und sein Gouverneur Ohannès Pascha.
2. Der Krieg um Tripolis (Libyen) 1911/12.
|
7
|
|
05.11.2008
dreistündig
|
Diplomatie und Kriege 1908-14.
|
Anderson
1966: 287-309; Altınay 2004: 13-16.
|
1. Osmanische Aussenpolitik 1908-14.
2. Enver, die osmanische Armee, und ihre neue Rolle nach 1908.
3. Albanien und der albanische Aufstand.
|
8
|
|
12.11.2008
|
keine
Sitzung. Zur Beachtung: Tagung
"Turkey 1908–1914: biographical
approaches", 13.-15. November, mit öffentlichem Vortrag von
Prof.
Hanioglu am 13.
|
|
|
9
|
|
19.11.2008
dreistündig
|
Balkankrisen und Balkankriege.
Foyers
Turcs: Der Durchbruch des
türkischen Nationalismus in der Bildungselite.
|
Ahmad 1982; Djemal 1922: 313-54; Kieser
2005, Kap. 4.
|
1. Albanien.
2. Leo Trotzki und die Balkankriege 1912/13.
3. Vordenker
des türkischen Nationalismus: Yusuf Akçura, Ahmet Ağaoğlu,
Ziya Gökalp.
|
10
|
|
26.11.2008
dreistündig
|
Anatolien, wessen Heimat? Die (ungute) Frage
nach den "Herren des Landes".
|
Dündar 2006: 168-230.
|
1.
Türkisierung Anatoliens: Konzept und Praxis (noch vor 1915).
2. Die Rum und die Megali Idea.
|
11
|
|
03.12.2008
dreistündig
|
Noch
vor der Weltkriegskatastrophe: Januar-Juli 1914.
|
Davison
1990: 180-205.
|
1.
Die "armenischen Reformen" vom 8. Februar 1914: Vordenker und
Kontrahenten.
2. Der Weg zum
Kriegsbündnis mit Deutschland am 2. August 1914.
|
12
|
|
10.12.2008
|
keine Sitzung.
|
|
|
13
|
|
17.12.2008
|
keine Sitzung.
|
|
|
14
|
|