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Stand: 04.04.2002
 
       
 
 
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Hans-Lukas Kieser
"Schweiz-Türkei: Lebenswelten und Kulturbegegnungen (Ende 19. bis Mitte 20. Jahrhundert)"

Kurzpräsentation / Projektentwurf / Zwischenbericht 2001 / Kolloquium SoSe 2001 / Startseite von Hans-Lukas Kieser

Kurzpäsentation

Das Projekt thematisiert das soziale und mentale Netzwerk zwischen der Türkei und der Schweiz in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Es konzentriert sich auf die Aspekte «Bildung», «Lebenswelten» und «Kulturbegegnung».

Das Bild der Schweiz war in jener Zeitspanne von kaum zu überbietender Gegensätzlichkeit: einerseits erklärtes ziviles Modell sowohl für die türkische, armenische und kurdische Elite, andererseits Hort von Opposition und Regimekritik. «Bildung» war das Hauptmotiv für einen Aufenthalt in der Schweiz, die in der Türkei als Zitadelle europäischer Kultur galt. Erziehungs- wie auch Gesundheits- und Rechtswesen stellten die Lichtseite des spätosmanischen und frührepublikanischen Schweiz-Bildes dar. Dessen Vorbildfunktion situiert sich im grösseren Zusammenhang einer osmanischen und Jungen Türkei auf der Suche nach «westlichem Fortschritt». Zahlreiche osmanische Studierende verschiedenster ethnischer Herkunft erwählten die Schweiz zu ihrem Studienort, in manchen Fällen zum Zentrum ihrer politischen Tätigkeiten und wurden bei der kantonalen Fremdenpolizei, der Universität und der osmanischen Diplomatie aktenkundig. Der Staat selber schickte, nicht erst nach 1923 (Republiksgründung), Studierende sowie Rekonvaleszente in die Schweiz.

Das Konzept «Lebenswelt» – der zentrale, übergreifende Aspekt des Projektes – gestattet nicht allein, den Aufenthalt in der Schweiz kultur-, sozial- und mentalitätsgeschichtlich zu verstehen, sondern auch die schweizerische Diaspora in der Türkei adäquat anzugehen. Manche Schweizerinnen und Schweizer erhielten eine Lektion in – immer weniger gelingendem – multireligiösem Zusammenleben und der Begegnung mit dem Islam, indem sie als Lehrer, Gelehrte, Missionare, Ingenieure, Vorarbeiter, Banquiers, Händler oder Uhrmacher vorübergehend oder lebenslang in quirlige Städte des osmanischen Raums zogen und eine partielle Akkulturation durchmachten.

Die Schattenseite der damaligen türkisch-schweizerischen Beziehungen lag im Bereich der Minderheitenfrage. Die virulente Begegnung weiter Teile der Schweiz mit der Türkei in der armenischen Frage brachte nebst konstruktivem Aufbau und Hilfswerken vor Ort, z. B. in Urfa, nachhaltige religiöse und nationale Fremd- und Feindbilder hervor. Sie tat dies allerdings, ohne einer unternehmerischen Schweiz «auf imperialistischen Pfaden» (Witschi 1987), mit beträchtlichem Anteil am osmanischen Wirtschaftsleben, Banken- und Bahnwesen, Abbruch zu tun.

Der Ehrgeiz des Gesuchstellers besteht darin, die Tiefenstrukturen schweizerisch-türkischer Beziehung sichtbar und einsichtig zu machen: Identifikation (edukative und zivile Modelle, «europäische Kultur»), Konfrontation (Völker- und Menschenrechte, religiöse Rückbindungen) und – im vorliegenden Projekt nur am Rande – Geschäft (Wirtschaftsbeziehungen). Diskrepanzen und Kohärenzen sowohl im nahöstlich-helvetischen Verhältnis als auch im schweizerischen respektive türkischen Selbstbild sollen herausgestellt und hinterfragt werden.

Keywords:

Türkei - Islam - Migration - Bildung - Lebenswelten- Interaktion - Kulturaustausch

 
 

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