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Kurzpräsentation
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Startseite von Hans-Lukas
Kieser
Das Projekt thematisiert das soziale und mentale Netzwerk
zwischen der Türkei und der Schweiz in der ersten
Hälfte des 20. Jahrhunderts. Es konzentriert sich
auf die Aspekte «Bildung», «Lebenswelten»
und «Kulturbegegnung».
Das Bild der Schweiz war in jener Zeitspanne von kaum
zu überbietender Gegensätzlichkeit: einerseits
erklärtes ziviles Modell sowohl für die türkische,
armenische und kurdische Elite, andererseits Hort von
Opposition und Regimekritik. «Bildung» war
das Hauptmotiv für einen Aufenthalt in der Schweiz,
die in der Türkei als Zitadelle europäischer
Kultur galt. Erziehungs- wie auch Gesundheits- und Rechtswesen
stellten die Lichtseite des spätosmanischen und frührepublikanischen
Schweiz-Bildes dar. Dessen Vorbildfunktion situiert
sich im grösseren Zusammenhang einer osmanischen
und Jungen Türkei auf der Suche nach «westlichem
Fortschritt». Zahlreiche osmanische Studierende
verschiedenster ethnischer Herkunft erwählten die
Schweiz zu ihrem Studienort, in manchen Fällen
zum Zentrum ihrer politischen Tätigkeiten und wurden
bei der kantonalen Fremdenpolizei, der Universität
und der osmanischen Diplomatie aktenkundig. Der Staat selber
schickte, nicht erst nach 1923 (Republiksgründung), Studierende
sowie Rekonvaleszente in die Schweiz.
Das Konzept «Lebenswelt» –
der zentrale, übergreifende Aspekt des Projektes –
gestattet nicht allein, den Aufenthalt in der Schweiz kultur-,
sozial- und mentalitätsgeschichtlich zu verstehen,
sondern auch die schweizerische Diaspora in der Türkei
adäquat anzugehen. Manche Schweizerinnen und Schweizer
erhielten eine Lektion in – immer weniger gelingendem
– multireligiösem Zusammenleben und der Begegnung
mit dem Islam, indem sie als Lehrer, Gelehrte, Missionare,
Ingenieure, Vorarbeiter, Banquiers, Händler oder
Uhrmacher vorübergehend oder lebenslang in quirlige
Städte des osmanischen Raums zogen und eine partielle
Akkulturation durchmachten.
Die Schattenseite der damaligen türkisch-schweizerischen
Beziehungen lag im Bereich der Minderheitenfrage. Die
virulente Begegnung weiter Teile der Schweiz mit der
Türkei in der armenischen Frage brachte nebst konstruktivem
Aufbau und Hilfswerken vor Ort, z. B. in Urfa, nachhaltige
religiöse und nationale Fremd- und Feindbilder
hervor. Sie tat dies allerdings, ohne einer unternehmerischen
Schweiz «auf imperialistischen Pfaden» (Witschi
1987), mit beträchtlichem Anteil am osmanischen
Wirtschaftsleben, Banken- und Bahnwesen, Abbruch zu
tun.
Der Ehrgeiz des Gesuchstellers besteht
darin, die Tiefenstrukturen schweizerisch-türkischer
Beziehung sichtbar und einsichtig zu machen: Identifikation
(edukative und zivile Modelle, «europäische
Kultur»), Konfrontation (Völker- und
Menschenrechte, religiöse Rückbindungen) und
– im vorliegenden Projekt nur am Rande – Geschäft
(Wirtschaftsbeziehungen). Diskrepanzen und Kohärenzen
sowohl im nahöstlich-helvetischen Verhältnis
als auch im schweizerischen respektive türkischen
Selbstbild sollen herausgestellt und hinterfragt werden.
Türkei - Islam - Migration - Bildung - Lebenswelten-
Interaktion - Kulturaustausch
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